Keine andere CPU für unter 100 Euro ist so flott wie der Core i3-10105F, da Intel anders als AMD dieses Segment nicht vernachlässigt.
Was vor ein paar Jahren noch undenkbar war, ist heute Realität: Während AMD mit Chips wie dem Ryzen 9 5950X das Highend-Segment dominiert, finden sich im Niedrigpreisbereich vermehrt äußerst attraktive Angebote von Intel. Schon der Core i5-11400F für 200 Euro ist ein Kracher, der Core i3-10105F für 80 Euro macht es sogar noch besser.
AMDs günstigster Ryzen 5000 ist der sechskernige Ryzen 5 5600X für etwa 260 Euro, für unter 200 Euro gibt es zumindest noch den älteren Ryzen 5 3600. Unter 100 Euro hat AMD abseits von Dualcores wie dem Athlon 3000G nichts im Angebot, selbst der beliebte 12-nm-Refresh des Ryzen 5 1600 kostet mindestens 120 Euro.
Der Core i3-10105F hat zwar nur vier statt sechs Kerne, für die Differenz von 40 Euro lassen sich aber schon 8 GByte DDR4-2666 oder ein ziemlich guter CPU-Kühler erwerben. Dank dem Druck durch AMDs Ryzen hat Intel bei der 10th Gen alias Comet Lake zudem Hyperthreading eingeführt, der Core i3-10105F ist daher ein Quadcore mit acht Threads.
4C/8T mit AVX sind Einsteiger-Standard
Eben diese Ausstattung reicht für viele aktuelle Spiele aus, zumal der Prozessor anders als jegliche Pentium-Modelle eine Unterstützung für die AVX-Befehlssatzerweiterung aufweist. Die ist für einige Titel zwingend erforderlich, weshalb der Core i3-10105F für ein billiges Gaming-System eine passable Wahl darstellt. Obacht: Als F-Modell kommt er ohne die integrierte Grafik (iGPU).
| Codename | Kerne /Threads | Takt | L3-Cache | Grafik | Speicher | TDP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Core i5-11600K | Rocket Lake | 6C/12T | 3,9 bis 4,9 GHz | 12 MByte | UHD 750 | DDR4-3200 | 125 Watt |
| Core i5-11400F | Rocket Lake | 6C/12T | 2,6 bis 4,4 GHz | 12 MByte | keine | DDR4-2933 | 65 Watt |
| Core i5-10600K | Comet Lake | 6C/12T | 4,1 bis 4,8 GHz | 12 MByte | UHD 630 | DDR4-2667 | 125 Watt |
| Core i3-10105F | Comet Lake | 4C/8T | 3,7 bis 4,7 GHz | 6 MByte | keine | DDR4-2667 | 65 Watt |
| Core i7-7700K | Kaby Lake | 4C/8T | 4,2 bis 4,5 GHz | 8 MByte | HD 630 | DDR4-2400 | 91 Watt |
Technisch basiert der Chip auf dem G1-Stepping von Comet Lake, er gehört also zur gleichen Generation wie etwa ein Core i5-10400F. Die vier CPU-Kerne nutzen noch die alte Kaby-Lake-Architektur, die Intel seit 2017 und dem Core i7-7700K verwendet. Zwar wurde die 14-nm-Fertigung seit damals verbessert und Microcode-Updates gegen Meltdown/Spectre eingeführt, sonderlich groß ist der Unterschied aber nicht.
Wir vergleichen den Core i3-10105F daher mit dem Core i7-7700K sowie aktuellen AMD- und Intel-Chips, auch der Ryzen 5 1600 in der 12-nm-AF-Version hat es in unsere Benchmarks geschafft.
Für Rocket Lake nutzen wir ein Asus ROG Maximus XIII Hero (Z590, Firmware v0610), für Comet Lake ein Asus ROG Maximus XII Hero WiFi (Z490, Firmware v1003) und für Kaby Lake ein MSI Z270 SLI Plus. Alle Ryzen 5000/3000 stecken in einem Asus Crosshair VIII Hero WiFi (X570, Firmware v3601), für den Ryzen 5 1600 haben wir ein Asus Crosshair VII Hero WiFi (X470, Firmware v4402) verwendet. Die Prozessoren laufen mit 32 GByte DDR4-Speicher nach den jeweiligen AMD/Intel-Spezifikationen.
Alle Spiele sowie Windows 10 x64 20H2 liegen auf einer Corsair MP600 mit 2 TByte, einer schnellen PCIe-Gen4-SSD. Als Grafikkarte nutzen wir eine Geforce RTX 3080 (Test) von Nvidia ohne rBAR, als Netzteil kommt ein Seasonic Prime TX mit 1.000 Watt zum Einsatz. Wir verwenden CapFrameX, um Framerate/Frametimes zu messen.
Verglichen mit dem alten Core i7-7700K schlägt sich der Core i3-10105F wie erwartet: Beide Chips weisen mit bis zu 4,5 GHz respektive bis zu 4,4 GHz nahezu den gleichen Takt auf, unterscheiden sich aber in Details. Der i7 hat 8 MByte statt 6 MByte L3-Cache, der i3 unterstützt dafür DDR4-2666 statt DDR4-2400. In Spielen kann sich der aktuelle Quadcore um 5 Prozent von seinem alten Pendant absetzen, in Anwendungen hingegen sehen wir ein Remis.
Intel-Quadcore vs AMD-Hexacore
Interessant ist der Vergleich des i3 zum Ryzen 5 1600[AF] mit 12 nm, der quasi einem Ryzen 5 2600 entspricht. Hier gibt es sechs Kerne und zwölf Threads, allerdings fällt die maximale CPU-Frequenz gleich 800 MHz niedriger aus und Zen+ ist als Architektur nicht ganz ebenbürtig zu Intels Kaby Lake. In Games liegt der Core i3-10105F daher 13 Prozent vorne, ohne Total War Troy sind es gar 20 Prozent. Dieser Titel profitiert stark von mehr als vier Kernen, der 1600[AF] ist gleich 25 Prozent flotter.
Bei den Anwendungen gilt es, genauer hinzuschauen, da unser Parcours neben Single- und Multithreading-Workloads auch gemischte Last integriert. Wird nur ein Kern genutzt, ist der Core i3-10105F dem Ryzen 5 1600[AF] deutlich überlegen. Umgekehrt dreht der AMD-Chip auf, wenn alle Kerne eingesetzt werden und bei "light threaded"-Workloads gibt es einen Gleichstand. Einziger Ausreißer ist der y-Cruncher, da hier AVX2 zum Einsatz kommt; das beherrscht der Ryzen nicht.
Höheres Power-Limit nutzlos
Wir haben den Core i3-10105F mit Intel-Spec getestet, also ein langfristiges Power-Limit von 65 Watt (PL1) und ein kurzfristiges von bis zu 90 Watt (PL2) für bis zu 28 Sekunden (TAU). Diese Werte zu erhöhen, bringt allerdings praktisch nichts: Wir messen zwar dauerhaft 71 Watt, aber weiterhin die von Intel spezifizierten 4,2 GHz auf allen Kernen - denn mehr gibt der i3 nicht her.
Das bedeutet, dass der Core i3-10105F kein Prozessor für CPU-Overclocking ist. Auch der RAM-Multi bleibt fix, weshalb mehr als DDR4-2666 ebenfalls ein Wunschtraum bleibt. Erst teurere Chips wie der Core i5-11400F erlauben eine Speicherübertaktung auf B560-Platinen, hier lohnt sich dann auch ein offenes Power-Target zugunsten höherer Taktraten. Kommen wir zum Resümee.
Intel verkauft den Core i3-10105F für etwa 80 Euro als Boxed-CPU, der beigelegte Kühler ist für den Betrieb absolut ausreichend. Eine günstige B460-Platine eignet sich als Grundlage, dazu DDR4-2666-Speicher.
Fazit
Der Core i3-10105F ist für unter 100 Euro ein exzellentes, weil derzeit konkurrenzloses Angebot. Mit vier Kernen, acht Threads und über 4 GHz liefert der Chip eine ähnliche oder sogar höhere Leistung als teurere Prozessoren. AMDs Ryzen 3 3100 weist zwar eine vergleichbare Performance auf, ist aber derzeit praktisch nicht verfügbar.
Ältere Quadcore-Modelle wie der Ryzen 3 1200 haben mangels Hyperthreading und 1 GHz weniger Takt keine Chance gegen den Core i3-10105F, erst ein sechskerniger Ryzen 5 1600[AF] hält mit. Der kostet aber 120 Euro - für die Differenz von 40 Euro gibt fast schon 8 GByte DDR4-2666-Speicher oder einen guten CPU-Kühler.
Wer sich also ein günstiges PC-System mit genügend Leistung für viele aktuelle Spiele bauen möchte, der kann beim Core i3-10105F zugreifen. Einziger Nachteil: Der Prozessor benötigt zwingend eine dedizierte Grafikkarte - und die sind derzeit extrem teuer, selbst als gebrauchte Modelle aus früheren Generationen.
Core i3-10105F im Test: Intels 80-Euro-Volks-Quadcore - Golem.de - Golem.de
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